Namibia wird oft als „Afrika für Anfänger“ bezeichnet - und das aus gutem Grund. Das Land lässt sich unkompliziert individuell bereisen, die Infrastruktur ist gut und viele der spektakulärsten Landschaften sind mit dem Mietwagen erreichbar. Dabei könnte der erste Eindruck kaum wilder sein: endlose Weiten, staubige Pisten und gewaltige Sanddünen, in denen kilometerweit kein Haus zu sehen ist. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die schönsten Stopps, Erlebnisse und Reisetipps für einen unvergesslichen Roadtrip.
Foto: Die markante Christuskirche zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen Windhoeks.
Von der Schweiz aus erreichen Sie Namibia besonders bequem über Windhoek. Edelweiss fliegt saisonal nonstop von Zürich in die namibische Hauptstadt. Am Flughafen können Sie direkt einen Mietwagen übernehmen. Ein Fahrzeug mit guter Bodenfreiheit ist empfehlenswert, für längere Rundreisen bietet ein 4×4 zusätzlichen Komfort. Gefahren wird auf der linken Strassenseite.
Gut zu wissen: Schweizer Staatsangehörige benötigen ein Visum. Dieses kann vorab online beantragt oder bei der Einreise als Visa on Arrival bezogen werden.
Route auf einen Blick: Für Windhoek → Spitzkoppe → Swakopmund → Walvis Bay → Sesriem/Sossusvlei → Windhoek sollten Sie mindestens 8 bis 10 Tage einplanen. Die einzelnen Fahrten dauern meist zwischen zwei und fünf Stunden - auf Schotterpisten und mit Fotostopps oft länger.
Mitten aus der flachen Wüstenlandschaft erhebt sich die Spitzkoppe mit ihren markanten Granitfelsen, natürlichen Steinbögen und weiten Ausblicken. Das Gebiet ist eingezäunt und der Zugang kostenpflichtig. Eintritt und Campinggebühren werden direkt am Spitzkoppe Rest Camp bezahlt. Besonders schön ist es, hier zu übernachten. Das Spitzkoppe Rest Camp bietet einfache Stellplätze direkt zwischen den Felsen. An den Campsites gibt es Trockentoiletten; warme Duschen und weitere Sanitäranlagen befinden sich bei der Rezeption. Wer mehr Komfort bevorzugt, findet inzwischen auch Glamping-Unterkünfte und eine separate Lodge.
Am Abend wird es still, und über den Granitfelsen öffnet sich ein beeindruckender Sternenhimmel. Durch die geringe Lichtverschmutzung lässt sich hier auch die Milchstrasse besonders gut beobachten - eine Nacht unter freiem Himmel gehört zu den besonderen Erlebnissen einer Namibia-Reise.
Am nächsten Morgen lohnt sich ein Spaziergang zum bekannten Rock Arch, der besonders bei Sonnenaufgang in warmen Rot- und Orangetönen leuchtet.
Video: Cape Cross - Namibias spektakuläre Seebärenkolonie.
Von der Spitzkoppe führt die Reise weiter Richtung Atlantik - in eine Landschaft, die rauer kaum sein könnte. Kalter Küstennebel, endlose Kies- und Sandflächen und die tosende Brandung prägen die Skeleton Coast, die ihren Namen den zahlreichen Schiffswracks und Knochen verdankt, die früher an diesem schwer zugänglichen Küstenabschnitt zurückblieben. Der eigentliche Skeleton Coast Park erstreckt sich vom Ugab-Fluss rund 500 Kilometer nach Norden bis zum Kunene-Fluss.
Ein besonders eindrucksvoller Stopp ist das Cape Cross Seal Reserve. Hier lebt eine der weltweit grössten Brutkolonien Südafrikanischer Seebären. Während der Fortpflanzungszeit im November und Dezember können sich laut Namibia Tourism Board bis zu 210’000 Tiere an der Küste versammeln. Ein Holzsteg ermöglicht es, die Tiere aus nächster Nähe zu beobachten
Foto: Swakopmunds Atlantikküste - wo die Namib auf den Südatlantik trifft.
Zwischen dem rauen Atlantik und den Dünen der Namib liegt Swakopmund - eine entspannte Küstenstadt mit Promenaden, Cafés, Restaurants und auffälliger deutscher Kolonialarchitektur. Die Stadt wurde 1892 als Hafen von Deutsch-Südwestafrika gegründet. Bis heute erinnern historische Gebäude an diese Zeit. Die deutsche Architektur erinnert zugleich an die Kolonialzeit von 1884 bis 1915 - ein prägendes und zugleich schwieriges Kapitel der namibischen Geschichte. Auch kulinarisch ist der deutsche Einfluss noch spürbar: In vielen Restaurants und Brauhäusern stehen deutsche Gerichte, Kuchen und Bier auf der Karte.
Für ein Abendessen mit Blick auf den Atlantik empfiehlt sich The Tug Restaurant direkt an der Promenade. Bekannt ist das Restaurant vor allem für frischen Fisch und Meeresfrüchte - besonders schön zum Sonnenuntergang. Deutsche Brote, Gebäck und Feinkost finden Sie bei Raith's Bakery & Deli. Für Kaffee, kleine Gerichte und besondere Souvenirs lohnt sich ein Stopp im The Trading Post.
Hoteltipp: Das Strand Hotel liegt direkt an der historischen Mole und bietet Zimmer mit Blick auf den Atlantik sowie mehrere Restaurants und Terrassen am Meer.
Swakopmund gilt ausserdem als Abenteuerzentrum Namibias. Besonders beliebt sind Quad-Touren, Sandboarding und Rundflüge über die Namib. Für die Stadt sollten Sie mindestens zwei Nächte einplanen, bevor es weiter nach Walvis Bay und Sandwich Harbour geht.
Video: Sandwich Harbour - wo die Dünen im Atlantik versinken.
Nur rund 35 Kilometer südlich von Swakopmund liegt Walvis Bay. Die Stadt selbst ist vor allem für ihren Hafen bekannt, doch direkt daneben beginnt eine der spannendsten Naturlandschaften der namibischen Küste. In der weitläufigen Lagune lassen sich zahlreiche Wasservögel beobachten – besonders bekannt sind die grossen Flamingogruppen. Die Lagune zählt zu den wichtigsten Feuchtgebieten im südlichen Afrika.
Der eigentliche Höhepunkt liegt jedoch weiter südlich: Sandwich Harbour. Hier treffen die gewaltigen Dünen der Namib unmittelbar auf den Atlantik – an manchen Stellen scheint kaum Platz zwischen Sand und Meer zu bleiben. Das Gebiet gehört zum UNESCO-Welterbe Namib Sand Sea. Am eindrucksvollsten lässt sich Sandwich Harbour auf einer geführten 4×4-Tour erleben. Die Fahrt führt über tiefen Sand und steile Dünen und sollte nicht auf eigene Faust unternommen werden. Das Namibia Tourism Board empfiehlt für anspruchsvolle Offroad-Strecken ausdrücklich geführte Touren.
Wer etwas mehr Zeit hat, kann den Besuch mit einer Bootstour durch die Walvis Bay Lagoon verbinden - mit etwas Glück lassen sich dabei Robben, Delfine und Pelikane beobachten.
Auf dem Weg von der Küste Richtung Sossusvlei lohnt sich ein kurzer Stopp in Solitaire - einer winzigen Wüstensiedlung mit Tankstelle und Bäckerei. Danach wird die Landschaft immer spektakulärer, bis die riesigen roten Dünen von Sossusvlei auftauchen.
Sossusvlei ist eine helle Salz- und Tonpfanne, umgeben von einigen der höchsten Dünen der Namib. Besonders bekannt sind Dune 45 und der rund 325 Meter hohe Big Daddy. Früh am Morgen wirken die Dünen besonders eindrucksvoll. Nur wenige Kilometer entfernt liegt das Deadvlei - eine fast weisse Lehmpfanne, auf der dunkle, abgestorbene Kameldornbäume vor den roten Dünen stehen. Einige dieser Bäume werden auf rund 900 Jahre geschätzt. Vom Ausgangspunkt führt ein etwa 1,1 Kilometer langer Fussweg durch den Sand bis zu dieser surreal wirkenden Landschaft.
Tipp: Von Sesriem bis Sossusvlei sind es rund 60 Kilometer. Wer die Dünen möglichst früh erleben möchte, sollte daher in oder nahe Sesriem übernachten. Die Sossus Dune Lodge liegt innerhalb des Parks und bietet ihren Gästen einen besonders frühen Zugang zur Dünenlandschaft. Für Camper ist das Sossus Oasis Camp Site eine praktische Alternative nahe dem Parkeingang.
Nur wenige Kilometer vom Eingang zum Sossusvlei entfernt liegt der Sesriem Canyon – ein überraschend schmaler Einschnitt inmitten der offenen Wüstenlandschaft. Über Jahrmillionen hat sich der Tsauchab-Fluss tief in das Gestein gegraben und dabei bis zu rund 30 Meter hohe Felswände geformt.
Ein kurzer Spaziergang führt hinunter in den Canyon, wo es deutlich kühler ist als in der umliegenden Wüste. Je nach Wasserstand lassen sich Teile der Schlucht zu Fuss erkunden. Besonders schön wirkt das warme Licht am frühen Morgen oder späten Nachmittag zwischen den steilen Felswänden.
Der Sesriem Canyon lässt sich ideal mit einem Besuch von Sossusvlei und Deadvlei verbinden und bietet noch einmal eine ganz andere Perspektive auf den Namib-Naukluft-Nationalpark.
Namibia ist ein Land der Kontraste: rote Dünen, raue Atlantikküste, endlose Weiten und Nächte unter einem spektakulären Sternenhimmel. Gerade diese Mischung aus Abenteuer und guter Infrastruktur macht das Land so besonders.
Im nächsten Teil geht die Reise weiter ins Damaraland und in den Etosha-Nationalpark – zu Felslandschaften, Wüstenelefanten und unvergesslichen Tierbeobachtungen.