Venedig, Barcelona oder Mykonos sind nicht ohne Grund Sehnsuchtsziele. Doch wenn sich vor Sehenswürdigkeiten lange Schlangen bilden und Altstadtgassen kaum noch Raum für den Alltag lassen, lohnt sich ein Blick über die bekannten Namen hinaus. Diese zehn Alternativen zu beliebten Reisezielen bieten ein ähnliches Reisegefühl – mit mehr Ruhe, überraschenden Entdeckungen und oft auch mehr Nähe zum Ort.
Inhalt:
Foto: Chioggia wird manchmal als «kleines Venedig» bezeichnet, doch die Stadt am südlichen Ende der venezianischen Lagune ist weit mehr als eine Miniaturausgabe der berühmten Nachbarin.
Chioggia wird manchmal als «kleines Venedig» bezeichnet, doch die Stadt am südlichen Ende der venezianischen Lagune ist weit mehr als eine Miniaturausgabe der berühmten Nachbarin. Entlang des Canale Vena spiegeln sich farbige Fassaden im Wasser, schmale Brücken verbinden die Inseln und auf dem Corso del Popolo spielt sich das alltägliche Leben ab. Statt Gondeln prägen Fischerboote und Bragozzi, die traditionellen bunt bemalten Segelboote, das Bild.
Besonders lebendig zeigt sich Chioggia am Fischmarkt zwischen Piazzetta Granaio und Canale Vena. Wer hier am Vormittag vorbeischlendert, erlebt eine Stadt, deren Beziehung zur Lagune nicht inszeniert wirkt. Danach führen kurze Wege zum mittelalterlichen Uhrturm von Sant’Andrea, zur Piazzetta Vigo und weiter nach Sottomarina, wo ein langer Sandstrand den Städtetrip ergänzt. Sardinen in Saor, frischer Fisch und der Radicchio di Chioggia bringen die Region auch kulinarisch auf den Teller.
Eine stilvolle Basis ist das Hotel Grande Italia in einem Jugendstilgebäude an der Piazzetta Vigo. Seit mehr als hundert Jahren blickt das Haus direkt auf die Lagune – zentral genug für Spaziergänge durch die Altstadt und angenehm abseits des venezianischen Trubels. Am schönsten ist Chioggia von April bis Juni sowie im September und Oktober. Dann sind Markt, Kanäle und Strand gut miteinander zu verbinden, ohne dass die Sommerhitze den Tagesrhythmus bestimmt.
Der schönste Chioggia-Moment: Am frühen Abend über die Vigo-Brücke gehen, wenn die Boote zurückkehren und das Licht über der Lagune langsam weicher wird.
Foto: Barcelona verbindet Architektur, Strand und katalanisches Stadtleben – eine Mischung, die auch Tarragona bietet, allerdings in einem kompakteren Rahmen.
Barcelona verbindet Architektur, Strand und katalanisches Stadtleben – eine Mischung, die auch Tarragona bietet, allerdings in einem kompakteren Rahmen. Die Stadt liegt rund eine Bahnstunde südlich der Metropole und trägt ihre Geschichte sichtbar in die Gegenwart: Das römische Amphitheater öffnet sich zum Meer, Teile des antiken Zirkus reichen bis unter die Altstadt und von der Stadtmauer fällt der Blick über Dächer und Küste.
In der Part Alta wechseln sich honigfarbene Steinfassaden, kleine Plätze und Gassen mit Cafés ab. Wenige Schritte weiter führt die Rambla Nova zum Balcó del Mediterrani, während unterhalb der Stadt goldene Strände beginnen. Tarragona eignet sich deshalb besonders für Reisende, die Kultur und Badetage verbinden möchten, ohne zwischen weit auseinanderliegenden Vierteln pendeln zu müssen. Eine kulinarische Besonderheit ist Romesco, die kräftige Sauce aus gerösteten Tomaten, Nüssen und Paprika, die traditionell zu Fisch und Meeresfrüchten serviert wird.
Nur wenige Gehminuten von der Platja de l’Arrabassada entfernt liegt das Hotel Núria. Die 2025 renovierten Zimmer sind hell und mediterran gestaltet, viele verfügen über einen Balkon oder eine Terrasse. Ein Pool und die ruhige Lage nahe dem Meer machen das Haus besonders für Reisende interessant, die Strandtage mit Besichtigungen verbinden möchten. Die Altstadt ist zu Fuss in etwa 20 Minuten oder bequem mit dem Bus erreichbar. Für ruhige Stadttage bieten sich Mai, Juni, September und Oktober an; im Hochsommer lohnt es sich, Besichtigungen auf den Morgen und den späten Nachmittag zu legen.
Der schönste Tarragona-Moment: Nach einem frühen Besuch des Amphitheaters am Balcó del Mediterrani stehen und beobachten, wie die ersten Badegäste Richtung Meer ziehen.
Foto: Wer Amsterdam wegen seiner Grachten, Backsteinhäuser und Velokultur liebt, findet in Utrecht eine eigenständige Alternative.
Wer Amsterdam wegen seiner Grachten, Backsteinhäuser und Velokultur liebt, findet in Utrecht eine eigenständige Alternative. Die Oudegracht zieht sich mitten durch das historische Zentrum, doch ihre zweistöckigen Ufer sind einzigartig: In den ehemaligen Werftkellern direkt am Wasser befinden sich heute Cafés, kleine Läden und Restaurants. Darüber verlaufen Strassen und Plätze, auf denen das Leben der Universitätsstadt seinen angenehm alltäglichen Rhythmus behält.
Der Domturm dient fast überall als Orientierungspunkt. Rund um den Domplatz erzählen DOMunder und die Überreste des römischen Limes von der langen Geschichte der Stadt, während das Rietveld-Schröder-Haus die moderne Seite Utrechts zeigt. Wer mehr Ruhe sucht, folgt dem begrünten Singelring, besucht den Kreuzgang des Doms oder fährt mit dem Velo hinaus zum Kasteel de Haar.
Das Mother Goose Hotel liegt am Ganzenmarkt mitten im historischen Zentrum. Das individuell gestaltete Boutiquehotel eignet sich für alle, die morgens direkt zu den Grachten aufbrechen und abends Restaurants und Cafés vor der Tür haben möchten. Besonders angenehm sind April bis Juni und September bis Anfang November. Amsterdam lässt sich bei einer längeren Reise weiterhin besuchen – Utrecht sollte dabei jedoch nicht nur als Schlafplatz, sondern als eigenes Reiseziel eingeplant werden.
Der schönste Utrecht-Moment: Am Abend auf einer der Terrassen direkt am Wasser sitzen, während oben die Velos vorbeiziehen und unten kleine Boote lautlos durch die Oudegracht gleiten.
Foto: Lyon bietet eine ähnlich vielseitige Städtereise, ohne sich wie eine kleinere Kopie der Hauptstadt anzufühlen.
Paris vereint grosse Museen, elegante Fassaden, lebendige Quartiere und eine ausgeprägte Genusskultur. Lyon bietet eine ähnlich vielseitige Städtereise, ohne sich wie eine kleinere Kopie der Hauptstadt anzufühlen. Zwischen Rhône und Saône liegen die repräsentativen Plätze der Presqu’île, während sich am Fuss des Fourvière-Hügels die Renaissancegassen von Vieux Lyon erstrecken.
Verborgene Traboules führen durch Innenhöfe und zwischen Häuserzeilen hindurch, in Croix-Rousse erinnert vieles an die Geschichte der Seidenweberei und vom Fourvière-Hügel reicht der Blick weit über die Stadt. Einen spannenden Kontrast setzt das Musée des Confluences an der Spitze der Halbinsel. Auch kulinarisch ist Lyon ein Reiseziel für sich: In traditionellen Bouchons, auf Märkten und in den Halles de Lyon Paul Bocuse zeigt sich, weshalb die Stadt in Frankreich einen besonderen Ruf geniesst.
Das Fourvière Hôtel befindet sich in einem ehemaligen Kloster oberhalb der Altstadt. Der historische Kreuzgang, ein ruhiger Garten und die Nähe zur Basilika machen das Haus zu einer atmosphärischen Basis, von der Vieux Lyon über Treppen oder mit der Standseilbahn erreichbar ist. Besonders angenehm sind April bis Juni sowie September und Oktober. Rund um grosse Veranstaltungen wie das Lichterfest im Dezember wird auch Lyon deutlich voller.
Der schönste Lyon-Moment: Am späten Nachmittag vom Fourvière-Hügel hinuntergehen und an der Saône bleiben, bis sich die Fassaden von Vieux Lyon im ruhiger werdenden Wasser spiegeln.
Foto: Graz verbindet österreichische Stadtkultur mit kürzeren Wegen und einem entspannteren Rhythmus.
Wien begeistert mit imperialer Architektur, Kaffeehauskultur und grossen Museen, doch besonders rund um die berühmtesten Sehenswürdigkeiten kann sich die Stadt sehr geschäftig anfühlen. Graz verbindet österreichische Stadtkultur mit kürzeren Wegen und einem entspannteren Rhythmus. Hinter den farbigen Fassaden der Altstadt öffnen sich Renaissancehöfe und schmale Durchgänge, während über den roten Dächern der Uhrturm auf dem Schlossberg wacht.
Die steirische Landeshauptstadt lebt von ihren Kontrasten. Nur wenige Schritte von Hauptplatz, Landhaus und Dom entfernt setzen das futuristische Kunsthaus und die Murinsel moderne Akzente. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, besucht Schloss Eggenberg oder schlendert über den Kaiser-Josef-Markt und den Lendplatz. Dort zeigt sich auch die kulinarische Seite der Region – mit saisonalem Gemüse, Käferbohnen und dem charakteristischen steirischen Kürbiskernöl.
Am Fuss des Schlossbergs liegt das Schlossberghotel – Das Kunsthotel. Zeitgenössische Werke, Antiquitäten und historische Mauern prägen das individuell gestaltete Haus; die Altstadt, die Mur und der Aufgang zum Schlossberg befinden sich beinahe vor der Tür. Besonders angenehm ist Graz von April bis Juni sowie im September und Oktober. Der Herbst lohnt sich zusätzlich für Ausflüge in die Weinregion rund um die Stadt, während es zur Adventszeit auf den zentralen Plätzen lebhafter wird.
Der schönste Graz-Moment: Am späten Nachmittag auf den Schlossberg steigen und beim Uhrturm bleiben, bis das warme Licht über die roten Dächer wandert und unten an der Mur die Stadt zu leuchten beginnt.
Foto: Bristol ist deutlich kompakter und verbindet britisches Stadtleben mit einer eigenwilligen Kreativszene.
London fasziniert mit Kultur, Quartieren und beinahe grenzenlosen Möglichkeiten, kann aber gerade rund um die berühmten Sehenswürdigkeiten überwältigend wirken. Bristol ist deutlich kompakter und verbindet britisches Stadtleben mit einer eigenwilligen Kreativszene. Statt königlicher Monumente prägen ein historischer Hafen, ehemalige Speicher, farbige Häuser und immer neue Kunst im öffentlichen Raum das Bild.
Am Harbourside liegen Museen, Galerien und die SS Great Britain, das ikonische Museumsschiff, nur kurze Wege voneinander entfernt; kleine Fähren machen das Hafenbecken selbst zum Verkehrsweg. In Stokes Croft und Bedminster gehört Street-Art zur Identität der Stadt, während Clifton mit georgianischen Häusern, unabhängigen Läden und der berühmten Hängebrücke über der Avon Gorge eine elegantere Seite zeigt. Wer Märkte und lokale Küche mag, findet rund um den St Nicholas Market und in den umgenutzten Hafenbauten zahlreiche Adressen.
Die Artist Residence Bristol verbindet ein georgianisches Stadthaus mit einer ehemaligen Schuhfabrik am Portland Square. Freigelegte Backsteinwände, Vintage-Möbel und Kunst greifen den unkonventionellen Charakter Bristols auf. Für einen Städtetrip bieten sich Mai, Juni, September und Anfang Oktober an. An Wochenenden mit grossen Festivals wird es am Hafen und in Clifton jedoch merklich lebhafter.
Der schönste Bristol-Moment: Gegen Abend über die Clifton Suspension Bridge gehen und beobachten, wie das Licht über der Avon Gorge weicher wird und die Stadt langsam zu leuchten beginnt.
Foto: Tinos liegt nur eine kurze Fährfahrt von Mykonos entfernt, fühlt sich aber vielerorts wie eine andere Welt an.
Tinos liegt nur eine kurze Fährfahrt von Mykonos entfernt, fühlt sich aber vielerorts wie eine andere Welt an. Die Insel besitzt ebenfalls die typisch weissen Häuser, tiefblaues Meer und windgeformte Landschaften. Doch statt Beachclubs und Nachtleben stehen Dörfer, Handwerk und Kulinarik im Mittelpunkt. Ein mehr als 150 Kilometer langes Netz alter Wege verbindet Täler, Kapellen, Strände und die kunstvoll verzierten Taubenhäuser, die zu den Wahrzeichen der Insel gehören.
In Pyrgos im Norden der Insel zeigt sich die lange Tradition der Marmorbildhauerei – von Türrahmen und Brunnen bis zu kleinen, kunstvoll gestalteten Alltagsdetails. Volax liegt zwischen runden Granitblöcken, während sich Kardiani terrassenförmig über einen grünen Hang zieht. In den Tavernen stehen Kapern, Artischocken, lokaler Käse und Louza, eine luftgetrocknete Schweinefleischspezialität, auf der Karte. Wer Mykonos vor allem wegen seines berühmten Partylebens besucht, wird dieses auf Tinos kaum finden. Für Wanderungen, Dörfer, gutes Essen und eine zurückhaltende Kykladenästhetik ist die Insel hingegen eine besonders passende Alternative.
Die Aeolis Tinos Suites liegen oberhalb der Küste bei Triantaros und verbinden kykladische Steinarchitektur mit einem weiten Blick über die Ägäis. Von hier lassen sich die Dörfer gut erkunden - idealerweise mit einem Mietwagen. Die schönsten Reisemonate sind Mai, Juni, September und Anfang Oktober. Rund um den 15. August, wenn Tinos eines der wichtigsten Pilgerfeste Griechenlands feiert, wird es auf der Insel deutlich voller.
Der schönste Tinos-Moment: Am späten Nachmittag durch die Marmorgassen von Pyrgos schlendern und auf dem Dorfplatz unter Platanen einen Kaffee trinken, wenn die Tagesgäste langsam weiterziehen.
Foto: Am gegenüberliegenden Ende des Golfs von La Spezia verbindet der Golf der Poeten viele dieser Elemente, verteilt sie jedoch auf mehrere Orte. Lerici eignet sich als idealer Ausgangspunkt.
Die Cinque Terre stehen für farbenfrohe Häuser, steile Küsten und Wanderwege mit Meerblick. Eine ruhigere Seite Liguriens zeigt sich rund um Lerici am Golf der Poeten. Statt fünf weltberühmter Dörfer erwartet Reisende hier eine weit geschwungene Bucht mit kleinen Hafenorten, Badeplätzen und Promenaden. Lerici eignet sich gut als Ausgangspunkt: Über dem Hafen wacht eine Burg, entlang der Bucht führen Promenaden nach San Terenzo und kleine Boote verbinden den Ort mit Portovenere und weiteren Küstenzielen.
Besonders stimmungsvoll ist Tellaro, das sich östlich von Lerici an die Felsen schmiegt. Farbenfrohe Häuser drängen sich über dem Wasser, schmale Treppen führen hinunter zum Meer und bei der Kirche San Giorgio öffnet sich der Blick über die Bucht. Wer die Küste zu Fuss erkunden möchte, wandert durch Olivenhaine und mediterrane Vegetation hinauf nach Montemarcello. Vom Wasser aus zeigen sich Fiascherino, Tellaro und die felsige Küste noch einmal aus einer anderen Perspektive. Auch hier kann es an Hochsommerwochenenden voll werden. Mai, Juni, September und Oktober sind daher die angenehmere Wahl.
Oberhalb des Zentrums von Lerici liegt das Doria Park Hotel mit Blick über den Golf. Über Treppen ist der Hafen in wenigen Minuten erreichbar, und viele Zimmer besitzen Balkone zur Bucht – ideal für Reisende, die das Auto stehen lassen und zu Fuss oder per Schiff unterwegs sein möchten. Kulinarisch gehören Muscheln aus dem Golf, Focaccia und mit Pesto servierte Pastagerichte zu den unkomplizierten Höhepunkten der Region.
Der schönste Lerici-Moment: Am Morgen von Lerici Richtung Tellaro aufbrechen und unterwegs immer wieder auf den Golf schauen.
Foto: Das Cilento bietet ebenfalls Dörfer über dem Meer, kleine Häfen und kurvige Panoramastrassen, wirkt aber weniger auf eine einzige spektakuläre Kulisse verdichtet als die Amalfiküste.
Die Amalfiküste ist berühmt für ihre steilen Hänge, pastellfarbenen Orte und spektakulären Ausblicke. Wer diese süditalienische Mischung aus Meer, Bergdörfern und mediterraner Küche in ruhigerer Atmosphäre erleben möchte, findet weiter südlich im Cilento eine reizvolle Alternative. Oberhalb der Küste liegt das mittelalterliche Castellabate; unten am Meer erstrecken sich die Orte Santa Maria und San Marco zwischen Olivenhainen, Stränden und kleinen Häfen.
Vom Belvedere di San Costabile reicht der Blick über die Dächer bis zur Küste. In Santa Maria führt die Promenade an Cafés und kleinen Stränden entlang, während der Hafen von San Marco ein guter Ausgangspunkt für Bootsausflüge in die geschützte Meereszone ist. Besonders schön ist der Weg zur Punta Licosa, die zu Fuss, per Velo oder mit dem Boot erreichbar ist. Auch Paestum mit seinen griechischen Tempeln lässt sich als Ausflug einplanen. Büffelmozzarella, weisse Feigen aus dem Cilento und die einfache, gemüsereiche Küche geben der Region ein starkes kulinarisches Profil.
Das historische Palazzo Belmonte liegt in einem weitläufigen Park direkt am Meer in Santa Maria di Castellabate. Das ehemalige Adelshaus verbindet mediterrane Zimmer, alte Bäume und einen privaten Zugang zur Küste – eine Unterkunft, die zum ruhigeren Charakter der Region passt. Mai, Juni, September und Anfang Oktober eignen sich besonders; im Juli und August zieht es auch viele italienische Feriengäste an die Strände des Cilento.
Der schönste Castellabate-Moment: Am frühen Morgen von Ogliastro Marina zur Punta Licosa aufbrechen und unterwegs an einer der kleinen Buchten eine Badepause im klaren Wasser einlegen.
Foto: Die Azoren - die portugiesische Inselgruppe liegt mitten im Atlantik und verbindet Kraterseen, grüne Berghänge, natürliche Thermalquellen und schwarze Lavaküsten.
Die Kanarischen Inseln sind für schwarze Vulkanstrände, ganzjährig mildes Klima und eine gut ausgebaute Ferienwelt bekannt. Wer den Atlantik lieber von stillen Wanderwegen, grünen Kraterhängen und rauen Küsten aus erlebt, findet auf den Azoren ein ganz anderes Inselgefühl. Die portugiesische Inselgruppe besteht aus neun Inseln und überrascht mit einer üppigen Landschaft aus Hortensien, Weiden, Vulkanseen und heissen Quellen.
Für eine erste Reise bietet sich São Miguel an. In der Caldeira von Sete Cidades liegen zwei Seen in einem gewaltigen Vulkankrater, bei Furnas steigen Dampf und mineralreiches Wasser aus der Erde, und rund um die Lagoa do Fogo führen Wanderwege durch dichtes Grün. Walbeobachtungen, natürliche Thermalbecken und kleine Küstenorte lassen sich gut zu einer längeren Inselreise verbinden. Da das Wetter selbst im Sommer rasch wechseln kann, gehören eine Regenjacke und flexible Tagespläne ins Gepäck.
An der Westküste von São Miguel liegt das SENSI Azores Nature and SPA abgeschieden zwischen weitläufigen Feldern und Atlantik. Das ehemalige Bauernhaus wurde behutsam restauriert und verbindet historischen Naturstein mit stilvollem, puristischem Design. Auch kulinarisch setzt das Haus Akzente: Im Restaurant MôMô wird saisonal mit Produkten lokaler Bauernhöfe, Gemüse aus den fruchtbaren Vulkanböden und fangfrischem Fisch gekocht. Sete Cidades und die warme Meeresquelle von Ferraria sind von hier gut erreichbar. Mai bis Oktober bieten meist die besten Bedingungen für Wanderungen und Ausflüge, wobei die Inseln auch in dieser Zeit nicht jeden Tag wolkenlos sind.
Der schönste Azoren-Moment: Früh am Aussichtspunkt Vista do Rei stehen und warten, bis die Wolken über dem Krater aufreissen und den Blick auf die Seen von Sete Cidades freigeben.
Fazit: Alternativen zu beliebten Reisezielen sind kein Ersatz zweiter Wahl: Chioggia, Tinos, São Miguel oder das Cilento besitzen eine eigene Geschichte und viele Gründe für eine Reise, die weit über geringere Besucherzahlen hinausreichen. Overtourism lässt sich jedoch nicht allein durch einen neuen Ortsnamen lösen, denn auch ein Geheimtipp kann zur nächsten überlaufenen Kulisse werden. Wer mehrere Nächte bleibt, ausserhalb der Hochsaison reist und lokale Angebote nutzt, ist bewusster unterwegs – und entdeckt oft Orte und Erlebnisse, die abseits der berühmtesten Aussichten in Erinnerung bleiben.