Genussreisen im Herbst: 10 Reiseziele für Wein, Trüffel & regionale Spezialitäten

Wenn sich Weinberge golden färben, der Duft von gerösteten Kastanien in der Luft liegt und in den Wäldern die Trüffelsaison beginnt, zeigt sich Europa von seiner genussvollsten Seite. Für eine kulinarische Herbstreise müssen Sie dabei gar nicht weit fahren: In der Schweiz und den angrenzenden Regionen warten Weinfeste, traditionelle Gasthäuser und Spezialitäten, die jetzt besonders gut schmecken.

Foto: Die terrassierten Weinberge des Lavaux ziehen sich oberhalb des Genfersees entlang und gehören zum UNESCO-Welterbe.

Lavaux: Weingenuss zwischen Rebhängen und Genfersee

Zwischen Lausanne und Montreux ziehen sich die terrassierten Weinberge des Lavaux bis an die Ufer des Genfersees. Im Herbst leuchten die Reben golden, während in den Weinkellern die Trauben der neuen Ernte verarbeitet werden. Die Region ist vor allem für Chasselas bekannt – einen feinfruchtigen Weisswein, dessen Charakter stark von den unterschiedlichen Böden und Lagen des Lavaux geprägt wird.

Besonders schön lässt sich die Weinregion zu Fuss entdecken: Wanderwege verbinden kleine Winzerdörfer wie Cully, Epesses und Saint-Saphorin miteinander. Unterwegs öffnen zahlreiche Weingüter ihre Caveaux für Degustationen. Der September steht im Zeichen der Weinlese, doch auch im Oktober lohnt sich Lavaux, wenn es zwischen den Reben ruhiger wird und sich die Landschaft herbstlich verfärbt.

Hoteltipp: Das Hôtel Lavaux liegt mitten in den Weinbergen oberhalb des Genfersees. Viele Zimmer sowie die Panorama-Terrasse eröffnen den Blick über Reben, See und Alpen – eine besonders passende Basis für ein Genusswochenende im Lavaux.

 

Foto: Sonnenverwöhnte Weinberge prägen die Landschaft des Wallis, wo im Herbst Wein, Kastanien und regionale Spezialitäten Saison haben.

Wallis: Raclette, Kastanien und Wein zwischen den Alpen

Kaum eine Schweizer Region verbindet den Herbst so selbstverständlich mit Genuss wie das Wallis. Zwischen Sion, Sierre und Martigny reifen Trauben an sonnenverwöhnten Hängen, während Kastanien, Raclette und Walliser Trockenfleisch auf den Speisekarten auftauchen.

Eine typische Herbstspezialität ist die Brisolée: Geröstete Kastanien werden mit Käse, Trockenfleisch, Roggenbrot, Trauben, Äpfeln und Birnen serviert – dazu passt junger Wein oder Most. Besonders schön lässt sich diese Tradition 2026 beim Kastanienfest in Fully am 17. und 18. Oktober erleben. Rund 300 Marktstände widmen sich regionalen Produkten, Handwerk und natürlich der Kastanie.

Genusstipp: Im Winzerdorf Salgesch verbindet das Restaurant Höllenwein im Hotel Arkanum lokale Produkte mit Walliser Spezialitäten. Im Herbst stehen unter anderem Brisolée und Wild auf dem saisonalen Angebot; zum Haus gehören zudem eine Önothek und ein Hotel.

 

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Foto: Im Verzascatal treffen ursprüngliche Tessiner Dörfer auf Kastanienwälder und eine traditionsreiche regionale Küche.

Tessin: Kastanien, Merlot und Grotti im goldenen Herbst

Im Tessin dauert der Herbst ein wenig länger. Kastanienwälder färben sich golden, auf den Märkten tauchen Pilze und Marroni auf und in den traditionellen Grotti kommen Polenta, Alpkäse und kräftige Schmorgerichte auf den Tisch. Dazu gehört ein Glas Tessiner Merlot.

Wer die Kastanienzeit besonders intensiv erleben möchte, fährt 2026 ins Verzascatal. Vom 3. bis 25. Oktober findet dort der Mès der castégna statt: Verschiedene Veranstaltungen in den Dörfern des Tals widmen sich der Kastanie – mit Spaziergängen, gerösteten Marroni und kulinarischen Abenden. Als Ausgangspunkt für ein Genusswochenende eignen sich Locarno oder Lugano; wer es ursprünglicher mag, verbindet die Reise mit einem Abstecher in eines der umliegenden Täler.

 

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Foto: Die historische Altstadt von Neuenburg lässt sich im Herbst wunderbar mit einem Ausflug in die umliegenden Weinberge verbinden.

Neuenburg: Weinlese zwischen Altstadt, Rebhängen und See

Weinberge, See und eine historische Altstadt machen Neuenburg zu einem besonders unkomplizierten Ziel für ein herbstliches Genusswochenende. In den Rebbergen rund um den Neuenburgersee wachsen unter anderem Chasselas und Pinot Noir – und Ende September wird die Weinlese gebührend gefeiert.

Die Fête des Vendanges de Neuchâtel findet 2026 vom 25. bis 27. September statt. Drei Tage lang bestimmen Winzer, regionale Produkte und Veranstaltungen die Stadt; zum Programm gehören unter anderem Degustationen regionaler Weine, ein grosser Blumenkorso und zahlreiche Markt- und Gastronomiestände. Wer es ruhiger mag, reist im Oktober und verbindet Neuenburg mit den Weinorten entlang des Sees. So lässt sich die Region auch wunderbar per Zug erkunden.

 

Foto: Weinberge und historische Winzerdörfer prägen die Elsässer Weinstrasse und machen sie im Herbst zu einem besonderen Genussziel.

Elsass: Wein, Flammkuchen und Genuss in bunten Winzerdörfern

Fachwerkhäuser, schmale Gassen und Weinberge, die im Herbst in warmen Gold- und Rottönen leuchten: Das Elsass scheint wie gemacht für eine Genussreise. Besonders schön sind kleinere Weinorte wie Eguisheim, Kaysersberg oder Riquewihr entlang der Elsässer Weinstrasse.

Kulinarisch dürfen Flammkuchen, Munsterkäse und ein Glas Riesling oder Gewürztraminer nicht fehlen. Ein besonderer Anlass für eine Reise ist die Fête des Vendanges in Barr vom 2. bis 4. Oktober 2026. Das traditionsreiche Weinlesefest feiert die neue Ernte mit Wein, Musik und einem grossen Blumenkorso am Sonntag. Wer mehrere Tage Zeit hat, kann Colmar als Ausgangspunkt wählen und von dort verschiedene Winzerdörfer entlang der Elsässer Weinstrasse besuchen, in traditionellen Winstubs einkehren und bei Weingütern degustieren.

Hoteltipp: Für eine genussvolle Auszeit in Colmar passt das L'Esquisse Hotel & Spa besonders schön. Das Fünf-Sterne-Hotel liegt ruhig am Parc du Champ de Mars und dennoch nur wenige Schritte von der Altstadt entfernt. Zum Haus gehören ein Spa sowie das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant JY'S – damit lässt sich das Genussthema sogar am Abend im Hotel fortsetzen.

 

Foto: Im Herbst verwandeln sich die Weinberge des Kaiserstuhls in eine goldene Kulisse für Wanderungen und Weinverkostungen.

Kaiserstuhl: Burgunderweine und Herbstgenuss zwischen den Reben

Nur wenige Kilometer nördlich von Freiburg erhebt sich der Kaiserstuhl aus der Rheinebene. Das milde Klima macht die Region zu einem der bekanntesten deutschen Weinanbaugebiete – besonders Burgundersorten fühlen sich hier wohl.

2026 lohnt sich eine Reise vor allem zwischen 10. Oktober und 8. November. Dann findet der KaiserHerbst statt, eine Veranstaltungsreihe rund um Wein, Kulinarik, Kultur und Natur. Zum Programm gehören Weinwanderungen, Besuche bei Winzern und kulinarische Veranstaltungen. Orte wie Ihringen, Endingen oder Vogtsburg eignen sich als Ausgangspunkt. Besonders schön: Viele Genussmomente lassen sich mit Wanderungen durch die herbstlichen Weinberge verbinden.

 

Foto: Zwischen Weinreben und Kastanienhainen beginnt in Südtirol im Herbst die traditionelle Törggelezeit.

Südtirol: Törggelen zwischen Weinbergen und Kastanienhainen

Wenn der neue Wein fertig ist und die Kastanien reif werden, beginnt in Südtirol die Törggelezeit. Was einst als Verkostung des jungen Weins bei den Bauern entstand, ist heute eine der schönsten kulinarischen Herbsttraditionen der Region.

Besonders rund um Brixen und im Eisacktal führen Wanderwege durch Weinberge und Kastanienhaine zu Buschenschänken und Bauernhöfen. Dort kommen unter anderem Knödel, Schlutzkrapfen, Speck, Hauswürste und Sauerkraut auf den Tisch, bevor geröstete Kastanien den Abschluss bilden. Dazu gibt es Most und jungen Wein. Die Törggelezeit reicht von Anfang Oktober bis Ende November.

Genusstipp: Besonders authentisch wird es in einem der traditionellen Hof- und Buschenschänke. Rund um Villanders gehören etwa der Oberpartegger und der Pschnickerhof zu den offiziell gelisteten Törggele-Betrieben. Wer Genuss und Übernachtung verbinden möchte, findet mit dem Weingut & Genusshotel Spitalerhof eine besonders passende Adresse in der Weinregion.

 

Foto: Rund um die Dörfer der Langhe erstrecken sich die Weinberge, aus denen berühmte Weine wie Barolo und Barbaresco stammen.

Piemont: Trüffel, Barolo und Haselnüsse in den Hügeln der Langhe

Wenn es ein Reiseziel gibt, das wie kaum ein anderes für kulinarischen Luxus im Herbst steht, dann ist es das Piemont. Rund um Alba und die Hügel der Langhe treffen einige der berühmtesten Weine Italiens auf Haselnüsse, Tajarin-Pasta und den kostbaren weissen Alba-Trüffel.

Die Internationale Messe des weissen Trüffels von Alba findet 2026 vom 10. Oktober bis 6. Dezember statt. Zum Programm gehören unter anderem der Trüffelmarkt, Kochveranstaltungen und Degustationen. Alba ist der ideale Ausgangspunkt, um die Reise mit Barolo und Barbaresco zu verbinden. Besonders stimmungsvoll wird es ausserhalb der Stadt: Zwischen den herbstlichen Weinbergen liegen kleine Dörfer, Weingüter und Agriturismi – perfekt für ein langes Genusswochenende.

Restauranttipp: Für einen besonderen Abend ist das Piazza Duomo eine der bekanntesten kulinarischen Adressen Albas und mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Wer lieber mitten zwischen den Weinbergen übernachtet, findet beispielsweise im kleinen Langhe & Wine Accommodation nur vier Zimmer und eine eigene Weinproduktion – eine schöne Alternative zur Übernachtung direkt in Alba.

 

Foto: Die mächtige Festung von Bard bildet eine eindrucksvolle Kulisse für den herbstlichen Genussmarkt Marché au Fort.

Aostatal: Fontina und alpine Küche zwischen mächtigen Berggipfeln

Deutlich weniger bekannt als das benachbarte Piemont ist das Aostatal – und gerade deshalb eine schöne Wahl für alle, die regionale Küche abseits der klassischen Genussziele suchen. Fontina-Käse, Bergkartoffeln, Polenta, Wurstwaren und die charaktervollen Weine des kleinen Alpengebiets bestimmen die Küche.

Ein besonders guter Anlass für eine Reise ist 2026 der Marché au Fort am 10. und 11. Oktober im mittelalterlichen Bard. Der grosse Genussmarkt widmet sich traditionellen Produkten aus dem Aostatal und verbindet Marktstände, Degustationen und regionale Gerichte. Ende Oktober folgt ein weiterer kulinarischer Termin: Vom 30. Oktober bis 1. November beim Torgnon d'outon stehen in Torgnon Bergkartoffeln und Fontina im Mittelpunkt.

 

Foto: Zwischen grünen Wiesen und sanften Berghängen bewahrt der Bregenzerwald seine traditionsreiche Käsekultur.

Bregenzerwald: Käsekultur zwischen Bergen und Bauernhöfen

Zum Abschluss wird es noch einmal alpin. Im Bregenzerwald gehört Käse seit Jahrhunderten zur regionalen Kultur. Besonders bekannt ist der würzige Vorarlberger Bergkäse, der traditionell aus Heumilch hergestellt wird. Hinter der KäseStrasse Bregenzerwald verbirgt sich ein Netzwerk aus mehr als 160 Sennereien, Bauernhöfen, Gasthäusern und weiteren Betrieben. So lassen sich verschiedene Genussstationen auswählen und zu einer individuellen Tour verbinden: Je nach Betrieb können Sie eine Sennerei besichtigen, Käse verkosten oder direkt beim Produzenten einkaufen. Führungen und Verkostungen sollten Sie vorab beim jeweiligen Betrieb anfragen.

Ein besonders guter Ausgangspunkt ist der Bregenzerwälder Käsekeller in Lingenau. Durch eine Glasscheibe können Besucher einen Blick in den grossen Reifekeller werfen, in dem Tausende Laibe Berg- und Alpkäse lagern, und im angeschlossenen Shop regionale Spezialitäten entdecken. Wer tiefer in die Käsekultur eintauchen möchte, kann über die Website der KäseStrasse zusätzlich eine Käseverkostung anfragen. Wie vielseitig der heimische Käse verwendet wird, zeigt sich auch in der regionalen Küche: Eine der bekanntesten Spezialitäten sind die Vorarlberger Kässpätzle, die in vielen traditionellen Gasthäusern auf der Karte stehen. Orte wie Bezau, Schwarzenberg oder Mellau eignen sich gut als Basis für ein verlängertes Genusswochenende. 

Fazit: Ob weisser Trüffel in Alba, Törggelen in Südtirol oder Kastanien im Wallis: Viele Spezialitäten schmecken gerade dort am besten, wo sie ihren Ursprung haben. Der Herbst bietet dafür die vielleicht schönste Gelegenheit – wenn die Ernte eingefahren wird, Weinberge ihre Farbe wechseln und in Gasthäusern wieder kräftigere Gerichte auf den Tisch kommen. Und für viele dieser Genussreisen braucht es nicht mehr als ein freies Wochenende.